Wie niedrigschwellige Angebote wie das Projekt ULA ältere Menschen unterstützen können.
Sucht kennt keine Altersgrenzen. Dennoch wird sie im höheren Lebensalter in Fachdebatten, Versorgungssystemen und öffentlichen Diskursen oft übersehen. Dabei zeigen Studien, dass Suchtprobleme auch unter älteren Menschen weit verbreitet sind – und ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität gravierend sein können.
Eine Studie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern weist darauf hin, dass insbesondere Abhängigkeiten von Sedativa/Hypnotika und Alkohol im Alter problematisch sind.
Suchtprävention und -beratung im Alter: eine besondere Herausforderung
Die Gründe für Suchtprobleme im Alter sind vielfältig: Übergänge in den Ruhestand, der Verlust nahestehender Personen, körperliche Einschränkungen, chronische Schmerzen oder psychosoziale Belastungen spielen eine große Rolle. Gleichzeitig sind viele Unterstützungsangebote nicht auf ältere Menschen zugeschnitten. Altersgemischte Gruppen wirken oft abschreckend, die Anfahrt zu Beratungsstellen ist mühsam, und auch das Stigma – „In meinem Alter will ich damit nicht mehr anfangen“ – wiegt schwer.
Das Projekt ULA – Un-Abhängigkeit und Lebensqualität im Alter
In der AGJ-Suchtberatung Sigmaringen begegnen wir diesen Herausforderungen mit dem Projekt ULA. Es richtet sich gezielt an ältere Menschen, die ihren Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Tabak hinterfragen und verändern möchten.
Ein zentrales Element ist unser wöchentliches Gruppentreffen, das seit mehreren Jahren besteht. Jeden Dienstag um 14:00 Uhr treffen sich hier Menschen, die gemeinsam über ihre Erfahrungen sprechen, sich gegenseitig stärken – und nicht selten auch echte Freundschaften schließen. Die lockere, wertschätzende Atmosphäre ermöglicht es, auch schwierige Themen anzusprechen, ohne sich ausgegrenzt oder bewertet zu fühlen.
Zusätzlich bieten wir Einzelgespräche an, in denen individuelle Anliegen Raum finden. Dabei gehen wir auf persönliche Belastungen, Ängste oder Rückfälle ein – immer mit dem Ziel, gemeinsam konkrete Schritte in Richtung eines selbstbestimmten Lebens zu entwickeln.
Diese Kombination aus Gruppen- und Einzelangebot hat sich als besonders wirksam erwiesen:
„In der Gruppe bin ich nicht allein mit meinen Problemen. Und im Einzelgespräch geht es nur um mich – das gibt mir Halt“, berichtet eine langjährige „ULA-nerin“ (Teilnehmerin).
Unsere ULA-Arbeit zielt nicht nur auf die direkte Unterstützung der Betroffenen. Wir möchten auch einen Beitrag zur fachlichen Vernetzung leisten – insbesondere zwischen Suchthilfe und Altenhilfe, die in der Praxis oft noch getrennt voneinander arbeiten.
Denn eine bessere Zusammenarbeit dieser beiden Bereiche kann dazu beitragen, dass ältere Menschen frühzeitig erkannt und passend unterstützt werden – bevor sich Konsumverhalten chronifiziert oder gesundheitliche Folgen verschärfen.
Sucht im Alter ist ein relevantes, aber vielfach tabuisiertes Thema. Projekte wie ULA zeigen, wie durch niedrigschwellige Gruppenangebote und individuelle Begleitung echte Veränderung gelingen kann – im Alltag, im eigenen Tempo und mit dem Ziel, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Denn auch im Alter gilt: Jeder Mensch hat das Recht auf Lebensqualität, Gemeinschaft und einen Neuanfang.